HV-Nachlese

HV-Auftakt: Geschlossenheit gegenüber Politik zeigen
Ein starkes Signal der Geschlossenheit ist in diesem Jahr von der Hauptversammlung (HV) des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) ausgegangen. Fast drei Tage lang tagten die Delegierten in Kassel und diskutierten über die Zukunft des Gesundheitswesens, aktuelle politische Entwicklungen mit Auswirkungen auf Zahnmedizin und Praxen sowie die Förderung von Freiberuflichkeit und Niederlassung. „Wir reden längst nicht mehr nur über einzelne Gesetze oder einzelne Maßnahmen, wir reden über das große Ganze“, sagte der FVDZ-Bundesvorsitzende Christian Öttl zum Auftakt der HV und appellierte: „Nutzen wir unsere Möglichkeiten. Übernehmen wir Verantwortung. Machen wir unseren Beruf, machen wir die freie Praxis für die nächste Generation attraktiv.“ Bei der Podiumsdiskussion zur Eröffnung der HV, moderiert von der stellvertretenden FVDZ-Bundesvorsitzenden Jeannine Bonaventura, rief die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, Romy Ermler, zur Geschlossenheit der Zahnärzteschaft gegenüber den politisch Verantwortlichen für diese Aufgabe auf. Geschlossenheit mahnte auch der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Martin Hendges, an. Gerade in gesamtgesellschaftlich schwierigen Zeiten müsse die Zahnärzteschaft gemeinsam und geeint auftreten. Die Vorsitzende des Bundesfachausschusses Gesundheit der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus, hält die von Bundeskanzler Friedrich Merz erneut angestoßene Debatte zum dualen Versicherungssystem in Deutschland für überflüssig. Verbesserungen hinsichtlich Entlastung von Praxen einerseits und Wartezeiten andererseits seien vor allem über einen soliden Bürokratieabbau und weniger Misstrauen im System zu erreichen. Dies bestärkte auch der FVDZ-Bundesvorsitzende: „Wir brauchen keine Flucht aus dem System, sondern Veränderungen im System: weniger Bürokratie, mehr Vertrauen in die Selbstverwaltung und bessere Rahmenbedingungen für freiberufliche Praxen.“

Resolutionen verabschiedet: Keine Budgetierung! Keine Spaltung!
Die HV des FVDZ hat zwei Resolutionen verabschiedet, die der Bundesvorstand im Einvernehmen mit dem Erweiterten Bundesvorstand eingebracht hat. In der Resolution „Keine Budgetierung zahnärztlicher Leistungen – Prävention stärken, Versorgung sichern“ weist die HV die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) verankerte strikte Budgetierung zahnärztlicher Leistungen „entschieden“ zurück. Vielmehr wird die Bundesregierung aufgefordert, eine „leistungsgerechte Vergütung sicherzustellen“ und „die präventionsorientierte Zahnmedizin als wesentlichen Stabilitätsfaktor der gesetzlichen Krankenversicherung anzuerkennen und entsprechend zu fördern“. Denn, so heißt es in der Begründung, die wirtschaftliche Tragfähigkeit inhabergeführter Zahnarztpraxen und die Niederlassungsbereitschaft seien gefährdet. In der Resolution „Wir haben nur eine Approbation! Keine Zersplitterung des zahnärztlichen Berufsstandes“ wird der Gesetzgeber aufgefordert, § 28 Absatz 2 Satz 1 SGB V in der Fassung des BStabG ersatzlos zu streichen, wonach nicht zur zahnärztlichen Behandlung die kieferorthopädische Behandlung gehöre „durch Vertragszahnärzte, die keine Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, keinen dem Fachzahnarzt für Kiefernorthopädie gleichwertigen Abschluss oder keine im Bundesmantelvertrag für Zahnärzte festgelegte ausreichende praktische Erfahrung in der kieferorthopädischen Behandlung besitzen“. In der Begründung heißt es, der FVDZ lehne es ab, „die Ausübung einzelner Bereiche der Zahnmedizin allein bestimmten Fachzahnarztqualifikationen vorzubehalten“. Beide Resolutionen wurden einstimmig angenommen.

Zuckersteuer: Einnahmen zweckgebunden verwenden – für Prävention
In dem von den Landesvorständen Westfalen-Lippe, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein, Schleswig-Holstein in die HV eingebrachten Antrag „Zuckersteuer – Prävention und Glaubwürdigkeit“ wird gefordert, die Einnahmen aus einer „Zuckersteuer“ verbindlich und transparent der (Mundgesundheits-)Prävention zugutekommen zu lassen. In der Begründung heißt es, eine „Zuckersteuer“ verliere an Akzeptanz, wenn sie mit Gesundheitsschutz begründet werde, aber Haushaltslöcher schließen solle und damit zweckentfremdet werde. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Derweil war am vorigen Freitag im Tagesspiegel mit Bezug auf eine AFP-Meldung zu lesen, die Regierungskoalition habe sich bei der Zuckersteuer auf einen Kompromiss verständigt. Mit Verweis auf die Bild-Zeitung soll die Steuer im Juli 2027 in Kraft treten, ein halbes Jahr später als geplant. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) lenkte demnach bei den Steuersätzen ein und verwarf Pläne für eine zusätzliche, dritte Steuerstufe. Nun soll die Steuer erst mit einer Produktionsmenge von mehr als 70.000 Litern pro Jahr anfallen; eine Ausweitung auf bis zu eine Million Liter jährlich solle europarechtlich geprüft werden. 
Quelle: FVDZ, Tagesspiegel

Sport und Praxis: Alles eine Frage von Mindset und Motivation
Es war eine kurze, aber sehr gelungene Pause von Politik und Problemen, die Triathletin und Zahnärztin Maria Paulig mit nach Kassel zur HV gebracht hat. Als Guide im Paratriathlon hat Paulig gemeinsam mit der sehbehinderten Sportlerin Anja Renner die Bronzemedaille bei den Paralympics 2024 in Paris und inzwischen noch einige weitere Wettkämpfe gewonnen. Bei der HV berichtete Paulig über ihre sportlichen Erfolge und die Teamleistung der Sportlerinnen bei den Paralympics und schlug dabei den Bogen, was durch diese Erfahrungen für den Alltag und sogar in der Zahnarztpraxis zu lernen ist. Denn die Teamarbeit beim Sport zwischen einer Sportlerin mit und einer Sportlerin ohne körperliche Beeinträchtigung lehrt vor allem eins: Es gibt für alles eine Lösung – auf die Perspektive kommt es an. Wer immer nur Probleme sieht, erkennt die Lösung nicht. Neugier statt Angst vor dem Unbekannten, Disziplin, Motivation und ein hohes Maß an Resilienz sorgen dafür, den Fokus auf das Ziel zu behalten. „Alles eine Frage des Mindsets – das ist im Sport so, aber auch bei der Arbeit“, sagt die Triathletin. Und: Vertrauen ist wichtig. „In unserem Team im wahrsten Sinne des Wortes blindes Vertrauen“, scherzt die Zahnärztin, um gleich dazuzusetzen: „Das gilt aber auch in jeder Praxis – man muss auf sein Team vertrauen und man muss sich aufeinander verlassen können.“ Bei den HV-Delegierten kam Paulig Mini-Intervention mit dem Titel „Über Grenzen hinaus – Chancen entstehen lassen“ sehr gut an – und schuf positive Energie für die weiteren Beschlüsse des Tages.  

GREEN DENTISTRY Award: Erste Preisträger feierlich ausgezeichnet
Die Verleihung des ersten GREEN DENTISTRY Awards fand am Freitagabend beim Geselligen Abend der HV im Glashaus Kassel statt. Die Preise überreichten der Bundesvorsitzende Christian Öttl, seine Stellvertreterin Jeannine Bonaventura und Geschäftsführer Ralf Rausch. Organisator Riccardo Schwarz begleitete die Verleihung. Auf der Bühne hatten die Preisträger und Preisträgerinnen die Möglichkeit, ihre Projekte persönlich vorzustellen: Anna-Lena Hillebrecht gewann mit „Special Smiles“ (Soziales Engagement), Sven Molitor mit „Mehrweg statt Einweg“ (Ressourcenbewusstsein) und Lisa Hezel mit „Lückenschluss im Versorgungsmangel“ (Innovation). Im Anschluss bot sich die Gelegenheit, bei gutem Essen und Musik mehr über die Projekte zu erfahren und sich mit den Ausgezeichneten auszutauschen. „Wir freuen uns sehr über den Preis und auf zukünftige Unterstützung bei den nächsten Aktionen von Special Smiles. Und natürlich auf einen schönen Abend“, sagte Hillebrecht. Eine Überraschung gab es noch zum Schluss: Ein vierter Award ging in der Kategorie „FVDZ-Macher“ an den Leipziger Studenten Daniel Pege und die Leipziger Zahnärzte Andreas Huth und Thomas Drachenberg (Landesverband Sachsen) für ihr Projekt „Zahn-Automat“, das die Materialversorgung der Leipziger Studierenden verbessern soll. 

Studierendenarbeit: Grünes Licht für Praxis-Patenschaftsprogramm
Mit großer Zustimmung hat die Hauptversammlung einen vom Bundesvorstand stellvertretend für die Studierenden eingereichten Antrag zur Entwicklung eines Praxis-Patenschaftsprogramms angenommen. Das vorgestellte Pilotprojekt soll Studierende und niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte zusammenbringen, den Nachwuchs während des Studiums unterstützen und für die Selbstständigkeit begeistern. Bereits am Mittwoch vor der Hauptversammlung hatten sich elf Studierende verschiedener Universitäten zu einem Workshop getroffen, um weitere Themen und Projekte für die Studierendenarbeit auszuarbeiten. Dazu gehören der Patientenmangel an Universitäten, die Weiterentwicklung des HV-Planspiels sowie die Stärkung der Studierendenarbeit in und mit den Landesverbänden. Im Workshop beschlossen die Studierenden zudem, künftig unter dem Namen „Arbeitskreis Nächste Generation” aufzutreten. 

FVDZ-Laufinitiative: Sportlicher Abschluss in Kassel
Früh aufstehen hieß es beim Finale der diesjährigen FVDZ-Laufinitiative im Rahmen der Hauptversammlung. Trotz Dunkelheit und des vollen Tagesprogramms fanden sich am Freitag und Samstag einige motivierte Läuferinnen und Läufer zusammen. Jeweils um 7.15 Uhr ging es durch einen Park in der Nähe des Tagungshotels. Nach den B2Run-Stationen in Hamburg, Leipzig, München, Frankfurt und Berlin sowie dem sportlichen Angebot auf dem Zahnärztesommerkongress in Binz bildeten die gemeinsamen Morgenläufe in Kassel den sportlichen Abschluss der FVDZ-Laufiniative.

Ehre, wem Ehre gebührt
In diesem Jahr wurden gleich zwei langjährige und sehr verdiente Mitglieder mit der Ehrenmitgliedschaft des Freien Verbandes ausgezeichnet: die „FVDZ-Urgesteine“ Joachim Hüttmann und Peter Engel. Hüttmann hat sich durch sein Engagement für den FVDZ weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus einen Namen gemacht. Als „wandelndes Lexikon der Standespolitik“, wie er in der Laudatio des FVDZ-Bundesvorsitzenden Christian Öttl genannt wurde, hat Hüttmann lange Jahre den FVDZ-Newsletter „Freifax“ und später das „FVDZ aktuell“ verantwortet ebenso wie das Verbandsmagazin „Der Freie Zahnarzt“. Peter Engel, der ebenfalls weit über 40 Jahre Mitglied im FVDZ ist, ist vor allem für seine langjährige Tätigkeit für die Bundeszahnärztekammer bekannt, an deren Spitze er 13 Jahre lang stand. Mit dem goldenen Ehrenzeichen des FVDZ wurden bei der HV Bernhard Hammer (Landesverband Rheinland-Pfalz) und der ehemalige nordrheinische KZV-Chef Ralf Wagner ausgezeichnet.

 

Praxistipp der Woche

KI-Bilder für die Praxis 

Auch bei Fotos liegt der Qualitätsunterschied im Prompt. Der geht ins Detail – und erinnert an ein Storyboard.

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